Mit einem breiten Grinsen trat Murphy in die Umkleide des Quidditchstadions. Noch immer rauschten Endorphine und Adrenalin in einem Wettlauf gegeneinander durch ihre Blutbahn, sorgten dafür, dass ihre Augen einen beinahe schon euphorischen Glanz angenommen hatten. Das dunkle Haar klebte leicht feucht an ihrem Nacken und kringelte sich an den Spitzen, so wie immer, wenn es an der Luft trocknete. Wieder einmal hatte Pride of Portree einen haushohen Sieg davongetragen und Murphy konnte guten Gewissens sagen, dass sie einen maßgeblichen Teil dazu beigetragen hatte. Hätte sie ein Klatscher dabei fast vom Besen gefegt? Ja. Würde ihr Knie morgen in wundervollen blau und lila Tönen vor sich hin strahlen und wahrscheinlich geschwollen sein? Auch ja! Aber das war es verdammt noch einmal wert gewesen! Im Gehen schlüpfte sie aus ihrem Umhang, dachte an das Interview zurück, das sie soeben noch gegeben hatte. “Wer hat Lust auf eine Runde Butterbier? Ich geb einen aus!“ Sich ihr Handtuch von einer der Stangen neben den Waschbecken schnappend flötete die Jägerin in den Raum hinein. Die Stimme erhoben, damit sie auch über den Trubel der Siegesfreude hinweggehört werden würde. Der aber… war nicht vorhanden? Irritiert kräuselte die junge Hexe die Nase, ehe sie den Kopf schief legte und sich durchs Haar frottierte. “Sagt mal, hab ich geträumt oder haben wir nicht gerade das Spiel gewonnen?“ Fragend zog sie die akkurat geformten Augenbrauen hoch, um im nächsten Moment von einer der Treiberinnen des Teams zur Seite gezogen zu werden. Mit ernstem Blick drückte diese ihr eine Zeitung in die Hand. “Und damit soll ich was jetzt? Fliegen verscheuchen?“ Wer Murphy kannte, der wusste, dass sie eine Zeitung höchstens zum Anheizen des Kamins verwendete – war wenn es um sie ging auch ungefährlicher, als das mit dem Zauberstab zu probieren. “Halt die Klappe Murph und lies.“ Mit einem beinahe schon spitzen Finger tappte ihre Gegenüber auf den Artikel, den sie aufgeschlagen hatte und der nun in den Händen der Windom lag.
“Zaubergamot beschließt Reform der Strafjustiz…“ leise vor sich hinmurmelnd las Murphy die Schlagzeile, zog dabei die Augenbrauen zusammen und ließ das Handtuch achtlos auf den Boden fallen. Mit jedem Wort, jeder Zeile die sie las, schien ihr Herz einen Takt schneller zu schlagen. Aufgeregt. Aber nicht im guten Sinne. Sie wollten eine verdammte Hetzjagd veranstalten. Wozu? Um sich weiter an dem Leid derer zu ergötzen, die sich nicht wehren konnten? In die Fingerspitzen der Windom schlich sich ein Zucken. “Sag mal was ist denn mit deinen Haaren los Windom?“ Die Stimme ihrer Teamkollegin drang nur wie ein weißes Rauschen an ihre Ohren, so laut dröhnte das Rauschen ihres eigenen Blutes in ihrem Kopf. “Was…?“ Den Artikel für einen Moment außer Acht lassend griff sie nach einer der Strähnen an ihrem Kinn – nur um diese im nächsten Moment sofort wieder loszulassen. Heiß. Ihr Haar war heiß? Ein leises Schnuppern ihrerseits sorgte dafür, dass ihr der stechende Geruch von Rauch in die Nase stieg. Mit einem erstickten Laut sprang sie von der Bank auf, auf der sie sich eben noch niedergelassen hatte und stürzte zum Waschbecken. Im Spiegel, der darüber hing, konnte sie deutlich erkennen, wie sich kleine Glutnester in ihren Haarspitzen gebildet hatten. “Verdammt…“ Mit einem zwischen den Zähnen hervorgestoßenen Zischen drehte sie den Wasserhahn auf und steckte den Kopf unter das eiskalte Wasser. Sie musste sich beherrschen. Musste sich zusammenreißen. Denn tief in ihrem Inneren keimte die Erkenntnis auf, dass der Weg in die Arena kürzer war als man dachte – vor allem für Hexen wie sie, die dafür bekannt waren, ihr Herz auf der Zunge und ihr Gemüt nach Außen zu tragen. Sie war sowas von am Arsch.
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