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Cattleya Bouchard - Druckversion

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Cattleya Bouchard - Cattleya Bouchard - 13.03.2026

Der Tagesprophet lag zwischen Toast, Kürbissaft und einer Schale mit Orangenmarmelade auf dem Tisch in der Großen Halle. Cattleya hatte ihn bemerkt, doch sie hatte sich nicht erlaubt, hinzusehen. Das war eines der Dinge, die sie früh gelernt hatte. Dinge erst dann anzusehen, wenn niemand mehr sehen konnte, dass sie einen trafen, wenn die Möglichkeit bestand, dass sie einen treffen konnten. Bei dem Tagespropheten war dies der Fall. Der Morgen in der Großen Halle war laut. Besteck klirrte, Eulen flatterten mit der Post über den Haustischen und irgendwo lachte jemand viel zu schrill. Ein Ravenclaw aus dem siebten Jahr fluchte leise, weil seine Post im Porridge gelandet war. Es war alles gewöhnlich.
 
Cat gestattete sich schließlich zum Tagesprophet zu sehen. Die Überschrift sprang ihr regelrecht ins Gesicht. Einen Atemzug lang hielt sie in ihrer Bewegung inne, dann schloss sie die Finger um den Henkel ihrer Tasse, hob sie an und trank einen Schluck. Nicht zu schnell, nicht zu langsam, genau richtig. Sowie man es von ihr erwartete. Sie hatte keine Ahnung, ob jemand sie ansah. Das war beinahe schlimmer, als sich sicher beobachtet zu fühlen. „Cat?“ Neben ihr beugte sich Èlodie, eine ihrer Mitschülerinnen aus ihrem Jahrgang, zu ihr hinüber. „Alles in Ordnung?“, wurde Cat von ihr gefragt. Cattleya stockte einen Wimpernschlag in ihrer Bewegung, ehe sie die Tasse auf der dafür vorgesehenen Untertasse absetzte. „Natürlich.“, antwortete Cat. Sie zog den Tagespropheten näher an sich heran, spürte das Èlodie sie beobachtete. Ihre Augen glitten über die Zeilen. Erst einmal, dann ein weiteres Mal. Entlastung. Kosten. Leichte bis mittelschwere Vergehen. Läuterung. Kulturelles Ereignis. Finanziell entlastende Maßnahme. Etwas zog sich schmerzhaft in ihr zusammen. Es war nicht das Wort Strafe oder Askaban, welches diese Reaktion in ihr auslöste. Es war das Wort Mehrwert. Ein Mensch konnte verurteilt werden, ein Mensch konnte leiden oder gar sterben, aber der Tagesprophet berichtete darüber als hätte man beschlossen, dass man die Fassade von Gringotts streichen wolle.

Ihr Blick blieb an einem Namen hängen. Walburga Black. Oberste Spielmacherin. „Das ist widerlich“, murmelte Èlodie neben ihr. Ein paar Köpfe ihrer Mitschüler drehten sich zu ihnen. Cattleya faltete die Zeitung langsam in der Mitte zusammen, legte sie ordentlich wieder auf den Tisch. „Vorsicht“, sagte sie leise als sie ihre Hand nach ihrer Teetasse austreckte und die Finger erneut um den Henkel legte. Sie spürte das Èlodie sie anstarrte. „Vorsicht? Cat, hast das gelesen?“ Cat sah ihre Mitschülerin nicht an, als sie die Tasse zu ihren Lippen führte, einen Schluck trank und anschließend mit einer knappen Bestätigung antwortete. „Und?“, fragte Èlodie darauf. Cat sah sie für einen Moment an, für einen Moment wollte sie etwas sagen, doch sie erinnerte sich an die Worte ihrer Mutter Jeanne. Sie sollte lächeln und ihrem Umfeld die Maske zeigen, die sie sehen wollten. „Ich denke, dass der Tagesprophet sehr geschickt darin ist, Blut aus seinen Artikeln zu waschen.“ Èlodie neben ihr schwieg. Es war nur das rege morgentliche Treiben der Großen Halle zu hören. Cat nahm ihre Serviette, tupfte sich den Mund ab und schob ihren Teller ein Stück von sich weg. Gegessen hatte sie kaum etwas, das würde sie später spüren, aber nicht jetzt. Jetzt war ihr Magen ein Klumpten aus Pergament und kaltem harten Wachs. Ihr Blick fiel auf ihre Umgebung. Am Lehrertisch sprach Professor Sprout mit Professor Flitwick, weiterhinten stritten zwei Gryffindors über etwas, was sich anhörte wie Quiddtich und ein Ravenclaw aus einem der unteren Jahrgänge goss sich zu viel Kürbissaft ein, welcher über sein Glas schwappte. Die Welt ging weiter, das tat sie immer, selbst nach den schlimmsten Beschlüssen frühstückten Menschen als wäre nicht geschehen. Cat stand auf. „Wohin gehst du?“, fragte Èlodie. „In die Bibliothek.“, antwortete Cat ruhig. „Vor dem Unterricht?“, fragte ihre Hauskameradin überrasch. „Ja.“, antwortete Cat knapp. Sie nahm den Tagespropheten vom Tisch und mit sich. Auf dem Weg aus der Großen Halle hielt Cat den Kopf oben, ihre Schritte waren ruhig. Niemand würde sehen, dass ihr Herz zu schnell schlug und ihre Hände kalt waren.
 
Sie schritt durch die Eingangshalle, schlug den Weg zur Bibliothek ein und erst als sie sich sicher war, dass sie allein war blieb sie stehen. Dort, zwischen Ritterrüstungen und dem Morgenlicht das durch die Fenster fiel, entfaltete sie die Zeitung noch einmal. Ihr Blick suchte den letzten Absatz, dann den Anfang, dann wieder die Namen. Orion Black. Walburga Black. Magische Spiele. Läuterung. Cat zog ein kleines Notizbuch aus ihrer Tasche. Der Einband war dunkelblau, mit goldenen Schnörkeln und an einer Ecke wirkte es abgenutzt. Jeanne hätte es unordentlich genannt. Cat nannte es gebraucht. Eine Feder folgte. Ausgefranzt an manchen Stellen. Würde Jeanne dies sehen, würde sie ihr umgehend eine neue Feder kaufen. Cat schlug das Notizbuch auf und schrieb in sorgfältiger, feinsäuberlicher Schrift:
 
`09.Oktober 1980. Offizielle Ankündigung im Tagespropheten. Entlastung, Läuterung, Mehrwert. Askaban als Vorwand, Wirtschaftlicher Nutzen wird betont. Blacks im Mittelpunkt. `

Cat hielt inne, die Feder schwebte über dem Papier. Für einen Moment überlegte sie etwas Weiteres in ihr Notizbuch zu schreiben, entschied sich dann jedoch dagegen. Sie schloss das Notizbuch. In diesem Augenblick war sie nicht die Tochter einer alten Familie, nicht die perfekte künftige Erbin. Sie war einfach nur fünfzehn. Ein Mädchen in einem Korridor, mit einer Zeitung in der Hand und der schlechten Ahnung, dass Erwachsene gerade etwas beschlossen hatten, das sie später Tradition nennen würden. Cat atmete tief ein, dann faltete sie den Tagespropheten zusammen, als wäre er nichts weiter als Papier und steckte ihn in ihre Tasche. Sie setzte ihren Weg fort, aber nicht in Richtung der Bibliothek, sondern zu ihrem Klassenzimmer. Ihrem Gesicht war nichts von all dem, was sie gelesen und gedacht hatte anzusehen, es war vollkommen ruhig. In ihrer Tasche jedoch, zwischen dem Notizbuch, der Feder, den Büchern und dem Tintenfass, da lag der Artikel wie ein kleiner schwarzer Stein und Cat wusste, dass sie ihn nicht vergessen würde. Das war der erst der Beginn von etwas Grausamen.


RE: Cattleya Bouchard - Jeanne Bouchard - 17.05.2026

Maman liebt ihr kleines Schwälbchen <3